Neues Jahr – Neues Glück

Kleiner Satz, so viele Interpretationsmöglichkeiten…

Als ich dies vor ein paar Tagen hörte, war klar was gemeint war..

Neues Jahr – endlich einen passenden Mann.. Das wird oft auch ganz unverhohlen geäussert.

Früher hätte ich ja meine Meinung über einen solchen, natürlich immer gut gemeinten, Wunsch ziemlich laut und umfassend, begleitet von verbalen Kraftausdrücken, geäussert. Heute lächle ich nur noch milde und entgegne in leisem, verständnisvollem Ton: “ Danke, das wünsche ich Dir auch.“ – unabhängig davon, ob die Person verheiratet, verlobt, in Partnerschaft oder alleine ist.

Das hilft meist.

Aber mal ernsthaft, wir schreiben das Jahr 2019 und ich ernte immer noch überraschte und meist auch ungläubige Blicke, wenn ich mich hinstelle und sage:

“ ich bin glücklich, Single zu sein!“

Unfassbar, nicht?! Dass man sich heutzutage als Frau immer noch erklären muss, warum man kein Problem hat, alleine zu sein, zeugt nicht gerade von einer modernen Gesellschaft.

Ich bin wirklich keine Kampf – Emanze, doch bei diesem Thema könnt ich manchmal echt die Wände hoch. Was mich am meisten ärgert, sind die Reaktionen, wenn ich mich mal wieder erklären muss…

„Oooh, wie schade, Du bist doch so eine tolle Frau, warum klappt es bloss nicht..??“

… oder auch:

„Ja hab nur etwas Geduld, der Richtige kommt schon noch“

Könnt ich ausrasten! Was soll das? Realisieren diese Leute gar nicht, wie beleidigend diese Aussagen sind? Es wird mir mit solchen Bemerkungen unterstellt, dass ich unglücklich bin und mit meinem „schweren Schicksal“ hadere.

Am liebsten würde ich mich hinstellen und diesen Menschen mal ordentlich die Meinung geigen. Dass ich stolz darauf bin, mein Leben unabhängig von einem anderen gestalten zu können! Dass ich glücklich bin, nicht dem Frieden zuliebe auf ein Familienfest gehen zu müssen, bei dem ich die Hälfte der Anwesenden nicht wirklich mag! Dass ich froh bin, mich nicht mit Freunden des Partners abgeben muss, die ich nervig finde! Und, last but not least, dass ich mir, dank der Tatsache dass ich im 21.Jahrhundert und in der Schweiz lebe, auch Bettsporttechnisch einen Sparringpartner nehmen kann, wann ich will. Und nur dann! Keine Kompromisse, kein „ich muss ja wohl, weil ER auch mit mir ins Museum ging, als ich das wollte..“

Aber ich lernte mit den Jahren, dass solche Ausbrüche nichts bringen. Im Gegenteil, oft erntete ich noch mitleidigere Blicke und ich merkte, dass solche Argumentationen als Hilfeschrei und Ausrede interpretiert wurden. Dass ich mir die Situation schönrede und mich verstelle, damit niemand meine Verzweiflung und Einsamkeit bemerkt.

Leute, wenn dies zutreffen würde, hätte ich nicht so viele Lachfalten, sondern herabhängende Mundwinkel und meine DVD Sammlung würde nicht zu 99,8% aus Action-, Thriller-, und Comedy Filmen, sondern aus der gesamten Staffel von Grey’s Anatomie und sonstigem Schnulzenmist bestehen, mit dem ich meine angebliche Verbitterung und mein Selbstmitleid pflegen kann.

Ich versuche bei Gesprächen meist, das Thema Beziehung zu umgehen. Weil ich weiss, dass mir oft fast der Kragen platzt bei den gutgemeinten Ratschlägen der Leute. Wobei ich ja leider sagen muss, dass es eigentlich immer Frauen sind, die Zweifel an meiner Einstellung und „meiner Situation“ haben. Es wird laut überlegt, was ich wohl falsch mache, warum Männer nicht bei mir bleiben wollen, wieso ich am Ende immer wieder alleine dastehe. Und auch immer eine tolle Begründung: “ Jaaa alle „guten“ Männer sind halt schon in einer Beziehung….“ Ob diese „guten“ Männer ihren Beziehungsstatus selber auch so toll finden, überlasse ich mal der Fantasie der Leser..

Liebe Frauen, es ist meine eigene Entscheidung, alleine zu sein.

Nur weil Ihr selber keine Minute alleine mit Euch selber sein könnt und immer ein Rudelbedürfnis verspürt, bedeutet dies nicht, dass alle anderen auch so sind. Ich erlebe täglich, dass die wenigsten Frauen auch nur eine Stunde Mittagspause alleine verbringen wollen oder können… Und das in einem Job, in dem man den ganzen Tag keine unbeobachtete Sekunde hat. Das ist schon ein Frauending, glaub ich. Natürlich verbringe ich auch gerne mal mit meinen Kolleginnen die Mittagszeit, aber meist gehe ich lieber alleine essen, damit ich mal ein paar Minuten nicht reden muss.

Ich frage mich oft, ob Männer ihre alleinstehenden Kollegen auch fragen, warum sie alleine sind… Oder ob sie die manchmal einfach nur beneiden. Nur im Stillen natürlich.. Gesellschaftlich werden, denke ich, Singlemänner immer noch weniger hinterfragt als Singlefrauen. Und ich spreche jetzt nicht von 40-jährigen Typen, die noch bei Mutti leben. “ Weils finanziell grad nicht anders geht“… Ja ne, is klar….

Oder Typen, die Sprüche bringen wie, Zitat: “ Die würde gerne mal durchvögeln, doch dann müsste sie sich eine Woche krankschreiben lassen…“ Zitat Ende.

Da fragt sich niemand wirklich, warum derjenige allein ist und hoffentlich bleibt.

Doch im allgemeinen wird einem Mann der alleine ist, gerne attestiert, dass er „halt andere Prioritäten hat“. Beruf, Karriere, die eigenen Bedürfnisse… Ist auch absolut in Ordnung. Steht um Himmels Willen dazu. Das wird gesellschaftlich mehr oder weniger widerspruchslos akzeptiert. Und da bin ich wieder zurück beim Thema Neues Jahr und Wünsche dafür.

Ich würde mir wünschen, dass vor allem Frauen aufhören, in verstaubtem Rollendenken zu verharren. Nicht jede Frau wünscht sich eine „normale“ Partnerschaft. Ich bezweifle ernsthaft, dass ich die Einzige bin, der beim Gedanken daran, dass jeden Abend Jemand bei mir zu Hause ist, einen Schauer über den Rücken jagt.

Und kein wohliger, wohlverstanden.

Also spart Euch Euer Mitleid für etwas oder Jemand, der es nötig hat und lasst uns gewollten Singles unser Leben geniessen.

hochzeitstag-2

 

 

4 Kommentare zu „Neues Jahr – Neues Glück

  1. Na ja, so ganz stimme ich deinen Gründen nicht zu aber jeder soll leben wie er mag. Vielleicht können auch Leute die in Beziehungen leben das einfach nicht verstehen. Ist wie mit den anders Gläubigen, der andere Gott das andere Konzept. Mehr als Akzeptanz ist da nicht zu erwarten.

    Gefällt 1 Person

    1. Ja Akzeptanz wäre schon mal ein Anfang. Hast schon recht, ist wirklich ähnlich wie bei der Religion, jeder denkt, seine ist die richtige.
      Was mich bei dem ganzen am meisten stört, ist die Tatsache, dass vor allem Frauen meine Einstellung und Entscheidung hinterfragen und anzweifeln. Auch wenn mich ihre Meinung gar nicht interessiert, ich bekomme sie trotzdem geliefert. Und manchmal möchte ich einfach nur mal sagen: „halt die Klappe, unsere Mütter und Grossmütter haben sich nicht die Emanzipation hart erkämpft, damit heute alle Frauen trotzdem in der selben Partner- und/oder Familienstruktur festsitzen wie 1950! Sondern damit wir heute genau so leben können, wie wir wollen!“
      Aber die verstehen meist gar nicht worum es mir geht und drum nicke ich einfach und denke mir meinen Teil…

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  2. Jeder wie er will, genau. Die Welt ist bunt. Aber jeder sucht sich Partner auch selbst aus. Wie eng, wie offen und wie auch immer man zusammen leben möchte. Deshalb, halte ich einen Teil deiner Gründe eben für ein Problem des gewählten Models und nicht einer Beziehung grundsätzlich inne wohnend.

    Gefällt 1 Person

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